Evangelisches Dekanat Odenwald

Nachruf

Pfarrer Thomas Geibel gestorben

Michelstadt/Breuberg/Fulda. Pfarrer Thomas Geibel ist gestorben. Der 74-Jährige, der seinen Ruhestand in Fulda verbrachte, war von 1972 bis 2010 Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Neustadt mit Hainstadt und Rai-Breitenbach gewesen. An seine urige, manchmal auch sehr direkte Art werden sich viele seiner ehemaligen Gemeindeglieder und andere, die mit ihm - etwa auch auf Dekanatsebene - zu tun hatten, gut erinnern. Nicht nur in seiner Gemeinde wirkte der aus Darmstadt stammende Pfarrer als engagierter Seelsorger und Verkündiger des Wortes, sondern ebenso als Querdenker in der Dekanatssynode und auch in der Landessynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Bereits in den Siebzigerjahren begründete Geibel die Diakoniestation Breuberg, die ihm ein Herzensanliegen war; finanzielle Unterstützung leisteten dabei auch die Stadt sowie die katholische Kirchengemeinde. Schwestern wurden eingestellt und "Essen auf Rädern" angeboten. Ein wichtiges Anliegen war dem Pfarrer weiterhin die Jugendarbeit und dazu die Einrichtung von Jugendgruppen in allen Orten seiner Gemeinde. Außerdem begründete er den Posaunenchor Breuberg, der bei der Neustädter Kirchweih 1975 seinen ersten Auftritt hatte.

Den Dekanatskirchentag 1984 zum Thema "50 Jahre Barmer Theologische Erklärung" in Neustadt hatte Geibel wesentlich mit vorbereitet und dazu sogar eine Sonderzugfahrt, den "Dekanatsexpress", von Neckarsteinach nach Neustadt organisiert. Dafür erwirkte der bahnbegeisterte Geibel eigens eine Reaktivierung des damals bereits stillgelegten Eisenbahnstreckenabschnittes von Höchst nach Neustadt.

Über sein Wirken als Pfarrer hinaus war Thomas Geibel ein interessierter Heimatforscher, der zu vielen unterschiedlichen Themen gearbeitet hat, darunter etwa über die Burg Breuberg, die ihm allein schon wegen seiner langjährigen Wirkungsstätte besonders am Herzen lag und deren Burgkapelle im übrigen auf seine Initiative hin wiederhergestellt wurde. Auch über die Geschichte des Klosters Höchst hat er eingehend geforscht. Ihm ist es darüber hinaus zu verdanken, dass die Bedeutung Barbaras von Wertheim als Reformatorin des Breuberger Landes im sechzehnten Jahrhundert in den Blick gerückt wurde. Nicht zuletzt Elisabeth von Thüringen und ihren Verbindungen zum Odenwald galt Geibels Interesse.

 

Bernhard Bergmann
27.12.2019


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