Evangelisches Dekanat Odenwald

Luther-Erlebniswochenende im Kloster Höchst

Zwischen Schönschrift und Smartphone

Höchst. In konzentrierter Feinarbeit entsteht Buchstabe für Buchstabe eine Textzeile (Foto). Wie in mittelalterlichen Klöstern Bibeln ebenso mühsam wie ästhetisch schön von Hand abgeschrieben wurden, erklärt Isolde Thoma-Flade den Teilnehmern des "Luther-Erlebniswochenendes" im Kloster Höchst an diesem Tag. Griffbereit liegt bei manchen gleich daneben das Smartphone auf dem Tisch. Zwischen diesen beiden Formen der Kommunikation sind die Jahrhunderte ausgespannt, welche an jenem Wochenende durchmessen werden. Nach einem Luther-Spielfilm zum Auftakt beschäftigen sich die 25 Gäste am Folgetag nicht nur mit Schönschrift, sondern auch mit Buchdruck und Luthers Mühen um eine angemessene Übertragung der Bibel ins Deutsche und seiner Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Sprache. Klosterpfarrerin Marion Rink, die das Wochenende organisiert hat und leitet, ruft Luthers Kritik am Ablasshandel in seinen 95 Thesen in Erinnerung, greift heitere Luther-Zitate auf, erinnert an die Bedeutung der Musik im Wirken des Reformators und erklärt den Gästen, worin das spezifisch Nachreformatorische in der Höchster Kirche erkennbar wird.

Geschmacklich genussvoll wird es am Abend des zweiten Tages: Hier kommt ein Luther-Menü aus der Klosterküche auf den Tisch, wofür Hausleiter und Chefkoch Ulrich Flick verantwortlich zeichnet. Von naturtrübem Bier über Deftiges aller Art bis hin zu beschwipsten Pflaumen reicht das Angebot. Pfarrerin Rink garniert es mit mal heiteren, mal nachdenklichen Kommentaren, und die Musikgruppe "flores tibiae" unter Leitung von Hildegard Süß begleitet das Speisen mit einer wohlbedachten Musikauswahl.
Am Sonntag schließlich folgen die Teilnehmer auf dem kleinsten Pilgerweg Hessens, dem Vaterunser-Meditationsweg am Kloster, Schritt für Schritt dem zentralen Gebet der Christen. Den Ausklang bilden die Vorarbeiten für die Pflanzung eines Apfelbaumes (Foto); Luther wird der Ausspruch zugeschrieben: "Ginge morgen die Welt unter - ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Der Boskoop-Baum kann indes erst im Oktober gesetzt werden, weil dann die richtige Zeit dafür ist, erläuterte der für diesen Teil des Luther-Wochenendes zuständige Klaus Pankow, der sich als Mitglied der Förderinitiative Kloster Höchst seit Jahren für das Haus engagiert.

Das Projektbüro Reformationsdekade der EKHN ('Gott neu entdecken') förderte das Luther-Erlebniswochenende finanziell.

 

Bernhard Bergmann
28.8.2017


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